Schluss mit sauteuren Fotografen!

Reicht es dir auch? Überall kann man nur mehr lesen wie teuer Fotografen ihre "Kunst" anbieten. In allen sozialen Netzwerken werden die Preise besprochen, da ist die Rede von überteuert, Wucher, Frechheit...

Überhaupt ist das Wort "teuer" in Verbindung mit dem Wort "Fotograf" eigentlich schon täglich irgendwo zu lesen.

SCHLUSS DAMIT!

 

 

 

 

 

 

Foto-Copyright: Niki Schreinlechner

 

Mir reicht´s, ich mach da nicht mehr mit! Und ich will dir helfen auch "Schluss" zu sagen! Wie? Nun, bevor das gelingt müssen wir uns einfach eines vor Augen führen:

NICHT DER FOTOGRAF IST TEUER, SONDERN
DER HEUTIGE KUNDE HAT EINE FALSCHE PREISVORSTELLUNG

 

 Ja, ich weiß, das willst du nicht hören!

Aber es ist die Wahrheit! Es ist einfach falsch diese ewige Preisdiskussion zu führen, Fotografen sind nicht teuer, sondern wir als Kunde wollen einfach nur mehr nach dem Motto "Geiz ist geil" leben.

 

Milch ist teuer

Ok, zugegeben, diese Überschrift stimmt so nicht. Milch ist eigentlich billig, wird ja auch in Massen hergestellt, sogar soviel, dass sie teilweise weggeschüttet wird. Wenn aber z.B. der übliche Preis für einen Liter Milch bei 1 Euro liegt, nun aber ein Geschäft dieselbe Milch um 2 Euro anbietet, dann ist sie teuer.
Warum werden aber fotografische Dienstleistungen ständig als teuer bezeichnet? 

 

Massenware Foto

Die Fotografie wurde entzaubert. Bis Silvester 2018 werden wir weltweit 1,3 BILLIONEN Bilder geschossen haben...

1,3 BILLIONEN BILDER IN EINEM JAHR!

Das Bild ist zur Massenware verkommen. Jeder kann jederzeit überall Fotos machen. Natürlich finde auch ich es toll jederzeit mit dem Handy einen  Situation einfangen zu können, versteh mich nicht falsch!

 

Aber das Handwerk Fotografie hat seinen Stellenwert verloren. Aus dem Handwerk wurde eine alltägliche Handbewegung, ein Fingerdruck auf den Auslöser und heutige Kameras liefern tolle Ergebnisse! Trotzdem und Gott sei Dank gibt es aber immer noch große Unterschiede zwischen einem geknipsten Schnappschuss und einem bewusst erstellten Foto. Und da kommen wir "Berufsfotografen" ins Spiel.  ABER STOPP!

Es wäre vermessen zu behaupten, dass nur Berufsfotografen tolle Bilder machen. Natürlich gilt das auch für jeden ambitionierten Hobby- oder Amateurfotografen. Aber gerade bei Berufsfotografen geht es ja auch immer um die Preise die verlangt werden. Wir sind also wieder beim ursprünglichen Thema angelangt.

 

Knipsen zum Hungerlohn

Durch den Wegfall des Bildwertes musste der Markt auch damit kämpfen, dass der Kunde das Verständnis für den Wert der Dienstleistung verloren hat.
Gleich wie bei einer einfachen Semmel, die heute als Massenprodukt jederzeit verfügbar ist und um wenige Cent über den Ladentisch geht, wird der Fotograf als 08/15 Dienstleister gesehen und soll einfach nur fotografieren und möglichst billig liefern. Aber "schmecken" soll es schon, die Semmel um 20 Cent genauso wie die Fotoreportage um wenige hundert Euro.
Heisst also, selbst nachdem der Preis für z.B. eine Hochzeitsreportage in den Keller fällt, die Qualität schon stimmen soll und der Fotograf natürlich top motiviert 14 Stunden am Stück wie ein Hofnarr seine Job erledigen soll!
GEHT´S NOCH???

Zeitgleich mit dem Preisverfall ist aber bei manchen Kunden auch die optische Schmerzgrenze gesunken. Oder besser gesagt, wenn ein Fotograf billiger war als ein Konkurrent musste er auch gar nicht mehr so toll fotografieren, ganz nach dem Motto "net so schön, aber dafür billig"...
Selbst ich wurde schon gefragt, ob ich die Hochzeit nicht billiger fotografieren könnte, die Bilder müssten ja "nicht so toll" werden.
Ich dachte ich bin im falschen Film...
Wobei ich nicht genau festhalten kann was - frei nach der Henne oder Ei Frage - zuerst passierte. Also fielen zuerst die Preise oder begannen zuerst die Kunden sich mit schlechterer Qualität auch zufrieden zu geben? Wir werden es nie erfahren...

 

Status Quo?

Wo stehen wir also jetzt? Hier mal meine Erfahrungen wie ich derzeit das Marktniveau einschätze, besser gesagt, was Kunden derzeit zahlen MÖCHTEN.

Links der Preis, den der Kunde zahlt, rechts der daraus resultierende Stundenlohn des Fotografen inkl. der notwendigen Stunden für Vorbereitung, Bildbearbeitung usw. !

 

Zur Klarstellung, das sind nicht meine Preise, aber die, die ich derzeit am Markt sehe, also ECHT!


 

Dienstleistung Stundenlohn Brutto
Einzelshooting, 30 Minuten mit 5 fertigen Bildern, 49,- Euro € 12,25
   
Paarshooting 60 Minuten mit 10 fertigen Bildern, 99,- Euro € 19,80
   
Hochzeitsreportage 8 Stunden Begleitung mit 500 fertigen Bildern, 799,- Euro € 22,80

Die Wahrheit ist, die Kunden haben es in den letzen Jahren geschafft den Markt auf dieses Niveau zu drücken. Nicht zuletzt durch die Gewerbeöffnung in Österreich wurde der Markt von "neuen" Fotografen überschwemmt. Schnell mal eine Website erstellt, ein paar nette Bilder hochgeladen und dann auf den großen Reichtum warten. Als dann einige Monate nichts reinkam haben die ersten begonnen nach den rettenden Strohhalmen zu greifen. Also nach Kunden, die es einfach immer billiger haben wollten und in den insolvenzgefährdeten Jungfotografen leichte Opfer gefunden haben. Und wir alle haben dabei zugesehen und nichts unternommen...

Und eines wird dabei ja noch gar nicht berücksichtigt! Während früher ja sogar pro geliefertem Bild bezahlt wurde (auch die Nachbestellungen mussten extra bezahlt werden) sind in den heutigen Preisen ja die kompletten Bilddateien schon inkludiert. 

Wo bleibt also hier noch der Wert des Bildes? Eine Datei hat keinen Wert mehr und der Fotograf hat auch jegliche nachträgliche Zusatzeinnahmen verloren.

 

Teuer ist eigentlich "normal"

Klingt erstmal komisch, ich weiß. Aber was ich damit sagen will, das was Kunden heute von üblichen Fotografen - die lange genug im Markt etabliert sind - angeboten bekommen wird sofort als TEUER abgetan. 

Erinnerst du dich an das Beispiel mit der Milch am Anfang des Artikels?
Würden wir bei gleicher Leistung für unsere Bilder einfach nur mehr verlangen, wären wir teuer und der Kunde hätte recht.

Wer aber heute für eine 10-stündige Hochzeitsreportage 2..500,- Euro verlangt ist nicht teuer, er hat eigentlich einen NORMALEN PREIS!

 

Die üblichen Kosten für den Hochzeitsfotografen lagen bis vor ein paar Jahren bei 
ungefähr 15% der Gesamtkosten der Hochzeit. Noch Fragen?

 

Anscheinend glauben Kunden, dass wir jede Woche 5 Hochzeiten fotografieren und zu Hause das Geld meterhoch stapeln...
Sorry, so ist es nicht.. Aber eine große Hochzeitsreportage beschäftigt einen Fotografen mit Nachbearbeitung usw. durchaus eine Woche lang. Und wenn man eine Saison realistisch betrachtet, wird ein gut gebuchter Fotograf zwischen April und Oktober mit 25 Tagesreportagen schon an die Grenze stoßen. 

Ich würde da eher mal hinterfragen warum eine Torte 800,- Euro kosten muss... Oder warum manche Hochzeitslocations mehr als 100 Hochzeiten jährlich abwickeln und trotzdem ein Vermögen kosten.... 

 

Wir leisten mehr

Und das macht den Unterschied aus! Ein Billiganbieter hat eben nicht die finanziellen und emotionalen Ressourcen um in gleicher Qualität anzubieten. Und dabei geht es nicht nur um die Qualität der Bilder. Wobei sogar die natürlich sehr subjektiv zu bewerten ist. 
Ich spreche von anderen Dingen. Qualität und Aktualität der Ausrüstung, Backup von Kameras oder Speichermedien um Datenverlust zu vermeiden, hohe Motivation vor Ort, egal wie anstrengend der Job ist (faire Bezahlung motiviert einfach). Und selbst wenn der Fotograf am Eventtag plötzlich krank oder verhindert ist hat ein Profi jemanden als Ersatz an der Hand, um den Job zu erledigen. Das alles soll, nein MUSS dem Kunden auch heute noch etwas wert sein!
Ein Profi bietet seinen Brautpaaren auch Abseits der Hochzeit jegliche Hilfestellung an. Er vermittelt mit seinen guten Kontakten Dienstleister aus anderen Branchen, hilft bei der Ablaufplanung und unterstützt das Paar so gut er kann.
Ein Billiganbieter wird seinen Job nach Vorschrift erledigen, das wars dann aber auch!

 

Vielleicht muss heute ein Kunde auch noch extra auf den Unterschied zwischen GÜNSTIG und BILLIG hingewiesen werden.
Denn ganz ehrlich, eine Hochzeitsreportage für viele Stunden und mit ein paar hundert Bildern um 799,- Euro ist nicht günstig, das ist einfach BILLIG.. Und schon meine Oma hat immer gesagt, "wer billig kauft, kauft teuer".

 

John Ruskin sagte im 19. Jahrhundert:

"Es ist unklug, zu viel zu bezahlen; aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen.

Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand (oder die Dienstleistung) die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas besseres zu bezahlen."

 

Was bleibt am Schluss

Ich jammere nicht! Fotografen wie auch Kunden haben diese Entwicklung in den letzen Jahren zugelassen, das ist zu akzeptieren! Gott sei Dank gibt es weiterhin auch Menschen, die den Wert dieser Dienstleistung schätzen und für die bleibende Erinnerungen eine großen Wert haben. Wenn man als Fotograf wie ein Lemming immer nur den anderen folgt und den gleichen Einheitsbrei anbietet, wird es noch schwerer werden. Wer innovativ ist und andere Wege geht, wer Nischen besetzt und "seinen" Kunden findet, wird auch weiterhin gut von diesem wunderbaren Beruf leben können.

Aber das Wichtigste ist, wir Fotografen müssen den WERT unserer Arbeit wieder vor den Preis stellen. Wir müssen den Kunden wieder ein Gefühl geben was ein gutes Bild wert ist. Es sind Momente, Menschen und Emotionen, die wir "für die Ewigkeit" festhalten, in größtmöglicher Qualität. Und der Kunde kann sich glücklich schätzen, dass es diese Bilder gibt! Das muss er sich wieder leisten WOLLEN! Weg von "Geiz ist geil", hin zu "das gönn´ich mir"
Am Geld kann es nicht liegen. Solange Menschen z.B. für Kapsel-Kaffee umgerechnet über 70,- Euro pro Kilo zahlen kann mir niemand erklären, dass unsere Fotos zu teuer sind! Aber Kapselkaffe ist eben hipp, cool und angesagt, den "gönnt man sich"

 

Die Branche braucht keine Qualitätsoffensive,
sondern eine WERTSCHÄTZUNGSOFFENSIVE

 

Hier lade ich auch Innung und Wirtschaftskammer ein, Strategien für die unmittelbare Zukunft der Branche zu überdenken. Schluss mit dem Jammern über den Wegfall des Gewerbeschutzes, dafür aber gemeinsam nach Ideen suchen wie das Foto wieder an Wertschätzung gewinnt!

 

Und was kannst du als Fotograf sofort tun?
Steh zu deinem Preis und überzeuge den Kunden warum dieser fair ist. Biete mehr als andere! Kunden freuen sich wenn sie einen Mehrwert erhalten. Sei kreativ, überrasche mit tollen Leistungen und such dir deinen Wunschkunden. Nur so wirst du aus dem großen Angebot auch heraus stechen.

 

Wer unter anderem auch dazu mehr lernen will findet hier das richtige Training:
Zum Trainingsangebot 

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