Weiß, das neue Schwarz

Oder reziprok ist geil...

 

Viel Hobby-Fotografen meinen ja, nur in einem tollen Studio mit vielen variablen Hintergründen und Blitzen kann man kreativ arbeiten. Speziell wenn es um die Wahl der Hintergrund-Helligkeit geht, müssen dutzende Rollen in verschiedenen Graustufen gekauft werden, quasi die "fifty shades of Hintergrund".

Einer für alles

Canon 7D, 50 (80)mm, ISO 100, 1/100 bei f3,2
Canon 7D, 50 (80)mm, ISO 100, 1/100 bei f3,2

Wenn man mal in einer lockeren Runde angehender Fotografen meint, dass eigentlich ein weißer Hintergrund reicht um das alles darzustellen, erntet man erstmal verwunderte Blicke.

Ich hab mich ins Studio begeben um ein paar "Beweisbilder" zu machen, In diesem Blog zeige ich wie man das reziproke Quadratgesetz bei der Lichtsetzung im Studio nutzen kann.

 

 

 

 

Folgendes one light Setup wurde gewählt:
95cm Octobox aus 45 Grad links leicht erhöht.
Kameraeinstellungen für alle Bilder:
ISO 100, 1/100 bei f3,2, Brennweite 50mm
Model: Mercedes (ja die heißt so)

 

 

In alle vier Fällen wurde ein weißer Papierhintergrund verwendet. Trotzdem kann durch richtige Positionierung des Lichtquelle und des Models jede gewünschte Graustufe bis zu völligem Schwarz im Hintergrund dargestellt werden. Beim ersten Bild stand das Model 20cm vor dem Hintergrund, beim letzen Bild 5 Meter. (Die leichten Lichtunterschiede am Gesicht von Mercedes sind zu vernachlässigen. Ich habe die Lichtpositionen ohne Belichtungsmesser nach Gefühl verändert.)

 

 Man nutzt den Lichtabfall, dargestellt durch das reziproke Quadratgesetz.. Es besagt, wie sich die Lichtmenge über eine Distanz verhält. Dieses Gesetz ist fix, es gilt für alle Lichtquellen und ist somit berechenbar.

 

Die Kraft des Lichtes nimmt umgekehrt proportional zum Quadrat der Entfernung ab.. Wenn wir die Entfernung 2 zum Quadrat nehmen, erhalten wir 4, umgekehrt 0,25 oder auch 1/4. Also ein Viertel der ursprünglichen Lichtleistung - nicht wie vielleicht angenommen die Hälfte!!

Das reziproke Quadratgesetz


Die Tabelle zeigt die Abnahme der Lichtmenge über die Distanz.
Sie zeigt auch, dass der Lichtabfall zwischen dem 1. und 2. Meter 75% beträgt, aber nur 3% zwischen dem 5. und 10. Meter. Die Abnahme zum reziproken, also umgekehrten Quadrat, wird schwächer weil die Zahlen  immer kleiner werden. 
TIPP!! Gerade wenn sie größere Gruppen mit Blitzlicht fotografieren, sollten sie daran denken und die Lichtquelle weiter weg von der 1. Reihe der Gruppe stellen. 

 

Skizze reziprokes Quadratgesetz Licht; Blendenangaben dienen nur als Beispiel.
Skizze reziprokes Quadratgesetz Licht; Blendenangaben dienen nur als Beispiel.

Die Lösung

Was bedeutet das in der Fotografie? Hier wird ja alles in Blenden gemessen. Eine Blende mehr oder weniger bedeutet, dass die halbe oder doppelte Lichtmenge auf den Sensor der Kamera fällt. Wenn ich also wie in unserem Fall bei Mercedes und dem Hintergrund den Abstand zwischen Puppe und Hintergrund verdopple, fallen nur mehr 25% des Lichts aus meinem Blitz auf den Hintergrund. Das bedeutet einen Lichtverlust von 2 Blenden. Der Hintergrund wird nicht mehr weiß, sonder grau abgebildet.

 

Umso weiter ich also Model UND Blitz vom Hintergrund entferne, umso dunkler wird dieser am Foto. Wichtig ist, dass der Abstand der Lichtquelle zum Model konstant bleibt. Somit kann ich ohne Veränderung der Blende weiter fotografieren.

 

Viel Spaß beim probieren, ich freue mich über eure Bilder auf Facebook (Facebook Link)

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